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Fußorthopädie

Erkrankungen des Fußes

Am Fuß befinden sich neben Knochen, Knorpeln und Gelenken zahlreiche Muskeln, Sehnen und Blutgefäße. Erkrankungen und Verletzungen all dieser Strukturen können zu Fußschmerzen führen. Häufig sind Verletzungen oder Unfälle sowie Fehlbelastungen der Grund, warum der Fuß weh tut. Die Fußschmerzen können sich beim Auftreten oder auch in Ruhestellung des Fußes bemerkbar machen.

Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die Fußschmerzen auslösen oder fördern können:

  • Alter (Kinder und ältere Menschen haben ein hohes Risiko)
  • Vererbung (viele strukturelle Fußprobleme sind vererbt)
  • Übergewicht
  • Langes Stehen
  • Wiederholtes Springen
  • Schlecht passende, zu enge oder zu hohe Schuhe

Weitere Ursachen für Fußschmerzen können sein:

  • Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Gelenkrheuma
  • Hautkrankheiten im Fußbereich (z.B. Fußpilz)
  • Durchblutungsstörungen (z.B. Arteriosklerose)

Je nach Ursache äußern sich Fußschmerzen durch plötzliche stechende Schmerzen (zum Beispiel bei einem Bänderriss), durch eine Schwellung und Überwärmung (bei einer Entzündung des Fußes). Häufig entsteht schmerzbedingt eine eingeschränkte Beweglichkeit des Fußes. Sind Nerven und Muskeln geschädigt, kann es zusätzlich zu Empfindungsstörungen und Lähmungen kommen.

1) Verschleißbedingte Fußschmerzen

  • Knorpelschaden am Sprunggelenk

    Knorpelschäden entstehen in den meisten Fällen als Folge einer Verletzung oder einer Fehlstellung. Bei einer Verletzung wird die Knorpeloberfläche durch überhöhten Druck zerdrückt, je nach Krafteinwirkung kann auch eine Knochen-Knorpelschuppe abgetrennt werden. Manchmal kommt es auch zu kleinsten Knochenbrüchen unterhalb des Knorpels (subchondrale Mikrofrakturen). In manchen Fällen heilt diese Verletzung unter dem Knorpel nicht aus, sondern es bildet sich eine Narbe zwischen dem Knochen und dem beweglichen Knorpel-Knochen-Stück.

    Zwar wird der Knorpelschaden selbst nicht als Arthrose (Verschleiß) bezeichnet, aber infolge eines Knorpelschadens kann eine solche des Sprunggelenkes entstehen.

2) Verletzungsbedingte Fußschmerzen

  • Achillessehnenerkrankungen

    Die Achillessehne, an der Rückseite des Unterschenkels oberhalb der Ferse durch die Haut gut tastbar, ist eine der kräftigsten Sehnen des Körpers. Sie ist etwa kleinfingerdick und kann eine Belastung von über 400 kg aushalten. Die Sehne ermöglicht das Absenken des Fußes im Sprunggelenk gegen großen Widerstand und ist deshalb für das Gehen und Laufen unverzichtbar. Besonders bei Sprüngen wird die Achillessehne stark belastet und kann Kräften von über 1000 kg ausgesetzt werden.

    Gerade Sportler beanspruchen diese Sehne enorm. Die häufigsten Verletzungen sind die chronische Reizung der Sehne, der chronisch degenerative Riss oder der akute Riss.

    Bei der chronischen Reizung besteht eine Überbeanspruchung mit Schmerzen im Ansatzbereich. Dies wird oft durch den hinteren Fersensporn, der sogenannten Haglund Exostose, gefördert. Die Achillessehne wird zwischen Knochensporn und Schuhrand gequetscht und entwickelt entzündliche Veränderungen und einen Schleimbeutel. Meist kann durch Austausch der Schuhe, lokaler Kältebehandlung und entzündungshemmenden Maßnahmen dieses Problem behoben werden. Bei Therapieresistenz kann der Knochensporn abgetragen werden. Nach jeder Operation an der Achillessehne ist eine konsequente Nachbehandlung bei einem Physiotherapeuten unbedingt notwendig.

    Beim chronischen Achillessehnenriss kommt es ca. 2 cm oberhalb des Ansatzes der Sehne am Knochen zu einer spindelförmigen Auftreibung der Sehne. Im Zentrum ist die Sehne schlecht durchblutet und stirbt ab. Die Patienten spüren meist nach Belastung massive Schmerzen in diesem Bereich, es kann aber auch nach Überlastung zu einem akuten Riss der Sehne kommen.

    Anfänglich sollte die erkrankte Sehne konservativ behandelt werden. Bei anhaltenden Beschwerden wird der erkrankte Kern der Sehne unter Erhaltung der Außenwand ausgeschält. Die Nachbehandlung kann oftmals sehr lange dauern. Vor allem bei trainierten Patienten ist aber die sportliche Aktivität auf der gewohnten Leistungsstufe möglich.

    Ein akuter Achillessehnenriss ist mit einem charakteristischen Knall verbunden und trifft typischerweise Menschen zwischen dem 30. Und 40. Lebensjahr. Für den erfahrenen Sportarzt ist die Diagnose eines Achillessehnenrisses nicht schwierig. Die typische Beschreibung des Unfallhergangs, eine tastbare Delle an der Haut über der Sehne und die Unfähigkeit des Verletzten im einbeinigen Stand auf dem verletzten Bein die Ferse vom Boden abzuheben, sind verlässliche Hinweise, für das Vorliegen eines Achillessehnenrisses. Als Therapie ist generell gesehen sowohl eine konservative als auch operative Behandlung möglich. Falls die Voraussetzungen bestehen, ist bei der konservativen Therapie die frühzeitige, eingeschränkte Bewegungstherapie (sog. funktionelle Behandlung) mit einem Spezialschuh derzeit Standard. Da die Dauer der Sehnenheilung mindestens 6 Wochen beträgt, ist aber auch diese Behandlung über diesen Zeitraum erforderlich. Im Falle einer operativen Behandlung werden die Rissenden vom Operateur wieder aneinandergenäht. Nach der Operation muss der Fuß für einige Tage in einem Gips ruhiggestellt werden, bis die Heilung der Hautwunde stattgefunden hat. Anschließend ist eine frühfunktionelle Behandlung, ähnlich der nicht-operativen Behandlung möglich. Bei fachgerechter Behandlung und konsequenter Nachbehandlung mit einer geschulten Krankengymnastik gelingt es fast immer, das Niveau der körperlichen Leistungsfähigkeit, das vor der Verletzung bestand wiederzuerlangen.

3) Fehlstellungsbedingte Fußschmerzen

  • Hallux valgus (Ballenzehe)

    Der Hallux valgus („Frostballen“, Ballengroßzehe) ist die häufigste Zehenfehlstellung des Menschen. Dabei weicht die Großzehe nach außen ab, während die Großzehenspitze nach innen zeigt und die zweite Zehe verdrängt oder überlagert. Diese Zehenfehlstellung wird in der Fachsprache als „Valgusstellung“ bezeichnet. Bedingt durch diese Fehlstellung kommt es zu einer Sehnenverkürzung, die wiederum zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß führen kann. Zehenfehlstellungen wie der Hallux valgus sind vor allem in den westlichen Ländern zu finden. Begünstigt wird diese Fußdeformität durch jahrelanges Tragen von zu engen und geschlossenen Schuhen. Barfußlaufen, spezielle Fußgymnastik und entsprechende Einlagen sind wirksame Maßnahmen zum Vorbeugen von Zehenfehlstellungen.

    • Die leichte Hallux valgus Deformität

      Obwohl für den Patienten deutlich störend, wird eine Deformität mit einem Intermetatarsalwinkel weniger als 16 Grad sowie einem kongruentem Gelenk und einem Sesambeinluxationsgrad 0 oder 1 als leicht bezeichnet.

      Trotzdem ist hier eine Geradstellung des 1. Mittelfußknochens notwendig. Dies ist die Chevron Osteotomie.

      Über einen Hautschnitt im Bereich des Ballens wird eine V-förmige Durchtrennung des 1. Mittelfußknochens im Bereich des Köpfchens durchgeführt. Das in Richtung des 2. Mittelfußknochens verschobene Fragment wird mit einer Schraube oder einem Draht fixiert.

    • Die mäßige Hallux valgus Deformität

      Bei der mäßigen Hallux valgus Deformität ist die Fehlstellung schon deutlicher, der Intermetatarsalwinkel weniger als 16 Grad. Im Unterschied zur leichten Fehlstellung besteht aber eine Weichteilkontraktur was radiologisch an einem inkongruentem Gelenk und einem Sesambeinluxationsgrad 2 oder 3 zu sehen ist. Hier wird die Austin Osteotomie, eine Kombination aus einer Chevron und einer Weichteillösung angewandt.

      Es erfolgt ein Hautschnitt im Bereich des Ballens. Die kontrakte Kapsel an der Außenseite der Großzehe wird gelöst, anschließend erfolgt eine V-förmige Durchtrennung des 1. Mittelfußknochens im Bereich des Köpfchens. Das in Richtung des 2. Mittelfußknochens verschobene Fragment wird mit einer Schraube fixiert.

      Unmittelbar nach der Operation ist die Belastung des operierten Fußes mit einem postoperativen Schuh, der für 4 Wochen getragen wird, möglich.

    • Die schwere Hallux valgus Deformität

      Die schwere Hallux valgus Deformität ist durch einen Intermetatarsalwinkel mehr als 16 Grad gekennzeichnet. Es besteht neben der knöchernen Fehlstellung auch eine Weichteilkontraktur. Hier wird die SCARF Osteotomie durchgeführt.

      Es erfolgt ein Hautschnitt im Bereich des Ballens. Die kontrakte Kapsel an der Außenseite der Großzehe wird gelöst, anschließend erfolgt eine Z-förmige Durchtrennung des 1. Mittelfußknochens im Bereich des Köpfchens. Das in Richtung des 2. Mittelfußknochens verschobene Fragment wird mit ein bis zwei Schraube fixiert.

      Unmittelbar nach der Operation ist die Belastung des operierten Fußes mit einem postoperativen Schuh, der für 4-6 Wochen getragen wird, möglich.

  • Hallux rigidus

    Unter einem Hallux rigidus versteht man die Einsteifung der Großzehe. Dies entstand entweder durch ein vorangegangenes Trauma mit direktem Schlag auf das Großzehengrundgelenk oder auch als Folge zunehmenden Arthrose des Gelenkes. Vor allem das Abrollen bereitet den Patienten zunehmende Beschwerden als auch Schmerzen. Typisch sind dorsale Knochenanlagerungen (Osteophyten) am I. Mittelfußköpfchen.

  • Die Hammerzehe

    Hammerzehen sind eine der häufigsten Fehlstellung des erwachsenen Vorfusses und betreffen vor allem vor allem Frauen im höheren Lebensalter. Für den Betroffenen fällt am Beginn eine Krallenbildung der betroffenen Zehe auf. Durch diese Krallenbildung findet die Zehe im Schuh zunehmend noch weniger Platz, wird an ihrem Rücken gerötet, und bildet ein sogenanntes Hühnerauge.

    Wodurch bildet sich eine Hammerzehe? Risikofaktor Nummer eins ist das Schuhwerk, und hier vor allem die Damenschuhe. Diese auf lange Zeit erzwungene Stellung bewirkt eine Einsteifung der Zehe in gebeugter Position. Aber auch die Absatzhöhe hat einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung der Hammerzehe. Bei höheren Absätzen rutscht der Fuß bis an die Schuhspitze nach vor, und die Zehen biegen sich durch den Druck ab.

    Bei länger bestehenden Hammerzehen kommt es oft zu einer Luxation im Zehengrundgelenk, dadurch „reitet“ die Zehe auf dem Metatarsalköpfchen und übt einen verstärkten Druck auf das Köpfchen aus. Als Folge entstehen verstärkte Hornhautbildungen unter dem entsprechenden Metatarsalköpfchen Schmerzen während dem Abrollen in den Zehengrundgelenken.

  • Der Fersensporn (Kalkaneussporn)

    Der Fersensporn ist ein dornartiger Knochenauswuchs, der sich am Fersenbein (Kalkaneus) bilden kann. Man unterscheidet dabei den hinteren (am Achillessehnenansatz) vom unteren (an der Unterseite des Ferseinbeines) Fersensporn. Der Sporn ist meist nur wenige Millimeter lang. Durch eine falsche Belastung des Fußes kann es zu Schmerzen im Bereich des Fersensporns kommen.

  • Die Arthrose des oberen Sprunggelenkes

    Verschleißerscheinungen am oberen Sprunggelenk führen zu Schmerzen aber auch Bewegungseinschränkungen wodurch die Lebensqualität abnimmt. Als Ursache neben der altersbedingten Abnützung ist meist ein vorangegangener Knöchelbruch zu nennen. Durch den Bruch kommt es zu einer Stufenbildung im Gelenksknorpel und zu einer vermehrten Abnützung des Knorpels. Bei chronischer Polyarthritis ist das Sprunggelenk ebenfalls oft betroffen. Die Hauptsymptome der Arthrose des oberen Sprunggelenk sind:

  • Die Arthrodese des oberen Sprunggelenkes

    Bei der Versteifung wird das Gelenk nachdem der restliche Knorpel entfernt wurde mit 2 oder 3 Schrauben verschraubt. Für 2 Wochen wird ein Liegegips angelegt, der dann durch einen Gehgips für weitere 6-8 Wochen abgelöst wird.

  • Die Endoprothese des oberen Sprunggelenkes

    Der Gelenkersatz besteht aus hochedlen, gewebeverträglichen Materialien. Die Rückflächen der Implantate weisen spezielle Beschichtungen auf, die dem Implantat eine feste Verbindung mit dem Knochen erlauben. Zwischen den beiden Metallteilen befindet sich ein Kunststoffkern der frei gleitet, dies ermöglicht einen Bewegungsablauf der dem natürlichen entspricht.

    Die Operation erfolgt über einen ca. 20 cm langen Hautschnitt am Rist und über dem Sprunggelenk. Nach Entfernung der Knorpelanteile wird die Prothese zementfrei eingesetzt.

  • Der erworbene Plattfuß

    Durch die Insuffizienz oder die Ruptur der Tibialis posterior Sehne kommt es zur Entstehung eines erworbenen Plattfußes. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten flacht das Längsgewölbe vermehrt ab, der Vorfuß beginnt nach außen wegzurutschen, alle Schuhe werden plötzlich viel schneller ausgetreten.