Hallux valgus

Unter Hallux valgus (auch Großzehenballen genannt) versteht man eine Abweichung der Großzehe nach kleinzehenwärts. Nicht eine Knochenanlagerung sondern das herausgetretene Mittelfußköpfchen bildet den „Ballen“. Neben erblicher Vorbelastung begünstigt enges Schuhwerk die Fehlstellung. Prinzipiell muss ein schmerzhafter „Frostballen“ nicht operiert werden. Durch das Tragen weiter und bequemer Schuhe ohne hohe Absätze können druckbedingte Schmerzen vermieden werden. Falls es durch diese Massnahmen nicht zur Besserung kommt, kann eine Operation durchgeführt werden. Die Operationsmethode richtet sich nach dem Schweregrad der Fehlstellung, d.h. nicht jeder Hallux valgus wird gleich behandelt.

Die Operationsmethode richtet sich vor allem nach dem Winkel zwischen erstem und zweitem Mittelfußknochen, da hier die Fehlstellung behoben werden muss.

Die Nachbehandlung richtet sich je nach angewandter Operationsmethode. In den meisten Fällen genügt es, 4 Wochen einen Spezial Hallux Schuh (s Bild) zu tragen. Dabei dürfen Sie den operierten Fuß mit dem Schuh ab dem ersten Tag nach der Operation voll belasten. In selteneren Fällen ist eine Gipsruhigstellung unter zu Hilfenahme von Krücken notwendig.

 

In unserem Zentrum kommen je nach Ausprägungsgrad 3 verschiedene Operationsverfahren zur Anwendung.

Ausschlagend für die Entscheidung ist der Intermetatarsalwinkel (< 16 Grad = leicht oder mäßig, > 15 Grad = schwer)  und der Sesambeinluxationsgrad sowie die Gelenkskongruenz (für Unterscheidung zwischen leicht und mäßig).

Die leichte und mäßige Hallux valgus Deformität

Bei einem Intermetatarsalwinkel von weniger als 16 Grad wird die Austin Osteotomie (Abb. 1) durchgeführt.

Über einen Hautschnitt im Bereich des Ballens werden zuerst die kontrakten Weichteile an der Außenseite des Großzehengrundgelenkes gelöst. Anschließend erfolgt eine V-förmige Durchtrennung des 1. Mittelfußknochens im Bereich des Köpfchens. Das in Richtung des 2. Mittelfußknochens verschobene Fragment wird mit einer Schraube fixiert.

Ab  Operationstag ist die Belastung des operierten Fußes mit einem postoperativen Schuh, der für 4 Wochen getragen wird, möglich

Ab dem ersten postoperativen Tag ist die Belastung des operierten Fußes mit einem postoperativen Schuh (Abb. 2), der für 4-6 Wochen getragen wird, möglich.

 

Abb. 1: Austin Osteotomie
Abb. 2: Hallux valgus Comfort Schuh

 

Die schwere Hallux valgus Deformität

Die schwere Hallux valgus Deformität ist durch einen Intermetatarsalwinkel > 16 Grad (Abb. 3) gekennzeichnet. Es besteht neben der knöchernen Fehlstellung auch eine Weichteilkontraktur.

Hier wird die SCARF Osteotomie (Abb. 4), durchgeführt.

Über einen Hautschnitt im Bereich des Ballens werden zuerst die kontrakten Weichteile an der Außenseite des Großzehengrundgelenkes gelöst. Anschließend erfolgt eine V-förmige Durchtrennung des 1. Mittelfußknochens im Bereich des Köpfchens. Das in Richtung des 2. Mittelfußknochens verschobene Fragment wird mit einer Schraube fixiert.

Ab  Operationstag ist die Belastung des operierten Fußes mit einem postoperativen Schuh, der für 4 Wochen getragen wird, möglich

Ab 1. postoperativen Tag ist die Belastung des operierten Fußes mit einem postoperativen Schuh, der für 4 Wochen getragen wird, möglich.

Abb. 3: vor der Operation
Abb. 4: nach der Operation

 

Die super schwere Hallux valgus Deformität

Die schwere Hallux valgus Deformität ist durch einen Intermetatarsalwinkel > 20  Grad gekennzeichnet. Es besteht neben der knöchernen Fehlstellung auch eine Weichteilkontraktur.

Hier wird die Lapidus Arthrodese, durchgeführt.

Über einen Hautschnitt im Bereich des Ballens werden zuerst die kontrakten Weichteile an der Außenseite des Großzehengrundgelenkes gelöst. Anschließend erfolgt über einen zweiten Hautschnitt der Zugang zum Metatarsocuneiforme Gelenk. Dieses wird entknorpelt, das Metatarsale 1 wird in korrigierter Stellung positioniert und die Arthrodese dann mit 2 Schrauben oder einer Schraube mit einer Platte fixiert.

Auf Grund des langen Hebelarmes erfolgt für 6 Wochen eine ruhigstellung in einem Gips oder einer stabilen Orthese.

Bei dieser Operation sollte der Patient nicht rauchen um die optimale Knochenheilung zu gewährleisten.

Narkose

Operationen am Vorfuß werden allgemein in Sedierung mit Leitungsanästhesie durchgeführt. Dies bedeutet, dass der Operateur gezielt jene Nerven des Fußes mit einem Lokalanästhetikum betäubt, die den Schmerz weiterleiten würden. Auf Grund der Eigenschaften der gewählten Medikamente ist eine Schmerzbetäubung von 6 bis 8 Stunden möglich.

Verhalten nach einer Operation

Die Operation ist eigentlich eine Verletzung Ihres Fußes. Verhalten Sie sich also wie nach einer Verletzung. Schonung, Hochlagerung und Kühlung sind die allgemeinen Maßnahmen zur raschen Besserung.

Schonung heißt, dass Sie sich in den ersten 10 –14 Tagen auf die notwendigsten häuslichen Verrichtungen beschränken.

Hochlagerung heißt, dass Sie das operierte Bein möglichst nicht herabhängen lassen, sondern sich immer die Möglichkeit des erhöhten Ablegens suchen

Kühlung wird 3 –4 mal täglich für 10 Minuten empfohlen.